
Für den Weg zu 1000 GW PV in Deutschland sind leistungsfähige Verteilnetzbetreiber zentral. Ohne Sie können weder große noch kleine Solaranlagen an das Stromnetz angeschlossen werden. Und ohne Sie kann die Elektrifizierung und Flexibilisierung der Stromnachfrage nicht gelingen – die wiederum Voraussetzung für ein von Solarstrom dominiertes Energiesystem ist.
Auf dieser Seite wird die Arbeit des 1000 GW Institut zu dem Thema „leistungsfähige Verteilnetzbetreiber“ dargestellt. Der Anfang davon war ein Hintergrundpapier im Oktober 2025: „Leistungsfähige Verteilnetzbetreiber: Wie Transparenz die Energiewende beschleunigen kann“ – darin wird ein Überblick gegeben, wo wir aktuell stehen.
Die zentrale Erkenntnis, dass mehr Transparenz über die Performance von Verteilnetzbetreibern eine Grundlage für bessere Performance sein kann, war der Startpunkt für das VNB-Transparenzportal www.vnb-transparenz.de.
Die zweite zentrale Erkenntnis ist, dass Verteilnetzbetreiber zwar vielfältige gesetzliche Verpflichtungen haben, aber keine finanziellen Anreize, diese zu erfüllen. Um dies zu ändern, wurden die Vorschläge der Bundesnetzagentur im „NEST“-Prozess in einem Hintergrundpapier zur Servicequalität in der Anreizregulierung vor dem Hintergrund von internationalen Best Practices analysiert und darauf aufbauend ein Beitrag zu der Konsultation geleistet.
Hintergrundpapier 10/2025: Leistungsfähige Verteilnetzbetreiber
In dem Hintergrundpapier „Leistungsfähige Verteilnetzbetreiber: Wie Transparenz die Energiewende beschleunigen kann“ wird ein Überblick gegeben, was die Aufgaben von Verteilnetzbetreibern sind und wo wir bezüglich der Performance in Deutschland aktuell stehen. Zudem wird aufgezeigt, wie notwendige Verbesserungen erreicht werden können.
Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass die Leistungen der Verteilnetzbetreiber exzellent sind in den Dimensionen, wo finanzielle Anreize vorhanden sind. Dies ist bislang ausschließlich im Bereich der Stromnetzstabilität, dem sogenannten SAIDI-Index, der Fall. In anderen Dimensionen stehen technische Lösungen zur Verfügung – die Anreize für den Einsatz fehlen jedoch. Der Verband der europäischen Regulierer (CEER) macht konkrete Vorschläge für genau diese Herausforderungen, welche von den meisten europäischen Regulatoren bereits umgesetzt werden. In Deutschland gibt es zwar einen Prozess zur Neugestaltung der Anreizregulierung ab 2029 – die internationalen Best Practices wurden hierfür aber nicht in Betracht gezogen, ein Austausch mit innovativen internationalen Regulatoren scheint nicht zu erfolgen.
Zwei Lösungen werden identifiziert:
- Steigerung der Transparenz: Lokale Stakeholder können Innovationen vom Verteilnetzbetreiber vor Ort einfordern, wenn die Qualität der Umsetzung von einzelnen Aufgaben durch den Verteilnetzbetreiber vergleichbar zu der Qualität der Umsetzung bei anderen Verteilnetzbetreibern ist. Beispiele für solche Stakeholder sind Mitarbeiter in Kommunen, Bürgermeister, Projektentwickler und Netzkunden. Aber auch die Mitarbeitenden und Geschäftsführenden der Verteilnetzbetreiber selber erhalten eine höhere Motivation, gemeinsam bessere Leistungen zu erbringen. Ein konkreter erster Schritt könnte der Aufbau einer oder mehrerer Online-Transparenzplattformen sein.
- Bessere Anreize für die Verteilnetzbetreiber: Neben der Stabilität sollte insbesondere die Kundenperspektive viel stärker im Fokus sein. Dabei erscheint eine Orientierung an internationalen Best Practices geeignet. Darin enthalten sind insbesondere finanzielle Anreize für eine hohe Netzservicequalität sowie automatisch zu überweisende Entschädigungszahlungen in dem Fall, das Mindestkriterien des Service nicht eingehalten werden.

Plattform 01/2026: http://www.vnb-transparenz.de
Die Vision: Produktanbieter werden auf Trustpilot bewertet, Arbeitgeber auf Kunuu . Und Verteilnetzbetreiber auf vnb-transparenz.de.
Damit wird Transparenz geschaffen: wo Dinge besonders gut klappen, wo Dinge mittelmäßig laufen und wo es hakt. Diese Transparenz hilft den Verteilnetzbetreibern dabei, voneinander zu lernen, und ermöglicht den lokalen Eigentümern und Stakeholdern der Verteilnetzbetreiber ein ehrliches Feedback zu der Performance des „eigenen“ VNB. Die Aufsichtsbehörden unterstützt es in ihrer Arbeit. Alle Kunden der Verteilnetzbetreiber können es nutzen, um Verbesserungen bei „ihrem“ VNB vorzuschlagen, basierend auf den jeweiligen Best Practices bei anderen VNB.
Soweit die Vision. Die Umsetzung einer ersten Version der Plattform erfolgte als logische Konsequenz aus der Erkenntnis, dass Transparenz über die Performance von VNB einen echten Unterschied machen kann. Im Laufe des Jahres 2026 wurden erste Pilot-Umfragen durchgeführt und Transparenz in einzelnen Kriterien geschaffen. Für die langfristige Fortführung wurde im Herbst 2026 die gemeinnützige „IzV – Initiative zukunftsfähige Verteilnetze“ als gUG gegründet.
Für die Weiterentwicklung werden aktuell noch Mitstreiter gesucht: Um aktuellen Best Practices zu identifizieren, die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Kriterien zu definieren. Und natürlich, um die Daten über die Performance der VNB bereit zu stellen. Und mittelfristig auch für Mitarbeitende, die sich Vollzeit darum kümmern und Unterstützer, die die langfristige Umsetzung gewährleisten.

Hintergrundpapier 01/2026: Servicequalität in der Anreizregulierung – Auswertung internationaler Erfahrungen
In den Vorarbeiten wurden erhebliche Verbesserungspotentiale identifiziert: bei der Performance der Verteilnetzbetreiber, aber insbesondere auch bei den Anreizen durch die Bundesnetzagentur.
Genau hierzu fand Anfang 2026 im Rahmen des NEST-Prozesses der Bundesnetzagentur eine Konsultation statt. In dem Entwurf vertrat die Bundesnetzagentur die Auffassung, dass Anreize für die Servicequalität von VNB nicht erforderlich seien (Nr. 119 in dem Entwurf der Festlegung). Diese wurde begründet mit hinreichend spezifischen gesetzlichen Vorgaben, geringer wirtschaftlicher Relevanz und hohem Aufwand für die Datenerhebung.
Diese Perspektive steht in starkem Kontrast zu den internationalen Erfahrungen und den Best Practices und Empfehlungen des Verbands der europäischen Regulierer (CEER). Daher analysiert das Hintergrundpapier „Gute Anreize für kundenorientierte Verteilnetzbetreiber“ die Argumente, welche die Bundesnetzagentur gegen die Einführung einer Anreizkomponente für Servicequalität angeführt. Verglichen werden diese mit den Gründen, warum (fast) alle anderen Regulatoren weltweit inzwischen eine solche Komponente nutzen. Wesentliche Argumente für die Nutzung solch einer Komponente werden anhand von internationalen Beispielen konkretisiert.
Ergänzt wird das Hintergrundpapier durch eine Datenbank zur Anwendung von Servicequalität als Anreizkomponente bei über 100 Regulatoren Weltweit (KI-generiert). Zusätzlich findet sich hier eine Sammlung der konkreten KPIs in Europa und Mindestanforderungen , mit denen Servicequalität durch anderer Regulatoren in der EU gemessen wird – oder als direkter Anreiz mit Pönalen verbunden wird.


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